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Geschichte des Skatspiels

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Über die Geburtsstunde des Skatspiels gibt es verschiedene bekannte Theorien, denen die Annahme gemeinsam ist, dass das Skatspiel Anfang des 19. Jahrhunderts in Altenburg entstanden sei. Dass dieser traditionellen Thüringischen Auffassung eine ganz besondere Saarländische Theorie gegenüber steht, ist im allgemeinen weniger bekannt. Wir haben nach umfangreichen Recherchen beide Historien vergleichend gegenüber gestellt. Unterschiede sind farbig gekennzeichnet, Übereinstimmungen an der gemeinsamen Textfarbe erkennbar. Urteilen Sie selbst: Muss die Geschichte des Skatspiels neu geschrieben werden?

Lassen Sie uns mit einer ersten grundlegenden Gemeinsamkeit beginnen:

Die ersten Spielkarten überhaupt sind etwa im 8. Jahrhundert in Indien hergestellt worden. In Europa tauchten sie erstmals im Jahre 1377 in Florenz auf. Ob sie von Indien bis zur fernen Toscana tatsächlich auf
< diese Weise transportiert worden sind, ist nicht überliefert. Jedenfalls würde dies die erhebliche Zeitspanne erklären, in der die Europäer überhaupt keine Möglichkeit hatten, ein Kartenspiel - geschweige denn SKAT - zu erfinden. Zwischen 1377 und der Geburtsstunde des Skatspiels vergingen viele Jahre, bis schließlich... und hier endet die erste Gemeinsamkeit!          

Die “Thüringische Auffassung”.

Eine der wesentlichen Theorien der „Thüringischen These“ behauptet, das Skatspiel sei in Altenburg im Jahre 1817 vom Advokaten Friedrich Ferdinand Hempel “erfunden” und von diesem in den Osterländischen Blättern 1818 erstmals erwähnt worden. „Erfunden“ scheint eine gewagte Formulierung zu sein, denn es ist unstrittig, dass der frühe Skat eindeutige Merkmale anderer, älterer Kartenspiele (Schafskopf, Tarock und L`Hombre) in sich vereinte. Andere glauben zu wissen, dass der Skat zwischen 1810 und 1815 von der Brommeschen Tarockgesellschaft in Altenburg aus der Taufe gehoben wurde. Wieder andere meinen, dass das Skatspiel Anfang des 19. Jahrhunderts von einem Kutscher nach Altenburg gebracht und von den dortigen Tarockspielern mit größter Begeisterung aufgenommen worden sei. Nach den Recherchen des anerkannten Skatforschers Stein soll dies ein Altenburger Kutscher gewesen sein.

Dass die Spielbezeichnung “Scat” erstmals am 04. September 1813 in der Spielkladde des Herzoglichen Regierungsrates Hans Carl Leopold von der Gabelentz auftauchte - Spielort soll Schloss Poschwitz gewesen sein - scheint unbestritten - ist doch genau diese Aufzeichnung im Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar, Außenstelle Altenburg, erhalten. Allerdings war der Begriff “Scat” schon beim sehr viel älteren Tarock-Spiel die Bezeichnung für einen Stapel von Restkarten. Haben sie nun an jenem 04. September 1813 tatsächlich den ersten Skat gespielt, die Herren der Tarock- Gesellschaft (zum erlesenen Kreise dieser Kartenspieler gehörten Dr. Carl Ludwig Schuderoff, Carl Adam Neefe, Friedrich Ludwig Hempel, Friedrich Ferdinand Hempel und Herr von der Gabelentz)? Auf jeden Fall spielten sie mit einem Kartenspiel deutschen Blattes, in dem die Karte “Ober” der Dame” des französichen Blattes entspricht.

Bereits um 1815 wurde beim Skat die Matadorenrechnung eingeführt, welche in der Folgezeit zum heute bekannten “Reizen” weiter entwickelt wurde. Sehr früh kamen auch die Nullspiele hinzu, die dem Skat einen besonderen Reiz verliehen, da sie ihm seinen streng feudalen Charakter nahmen: Nun hatten auch die “Armen” mit einer Hand voller Luschen eine Gewinnchance. Etwa zeitgleich kam das As-Spiel hinzu, der Vorläufer des heutigen Grands, welches jedoch ohne Trümpfe gespielt wurde. Selbst die Wenzel (Buben, Unter) genossen keine Privilegien und mussten sich in ihre Farbe einordnen.

Auch “Handspiele” gab es bald: Man nannte sie Solospiele im Gegensatz zu den Wendespielen, bei denen der Skat aufgehoben wurde.

In den Folgejahren versuchte man, durch Regeländerungen die Faktoren Glück und Zufall zurück zu drängen. Das damalige “Reizen” (Bieten, Fragen, Versteigern) wurde mit dem gleichen Ziel fortentwickelt. Die Mühe lohnte sich, denn Skat ist heute ein “gewachsenes” Kartenspiel, das wie kein anderes die Spielkunst in den Vorgrund stellt.

Bis etwa 1830 verlief die Entwicklung des Skatspiels dann weitgehend einheitlich.

Die “Saarländische Theorie”

Anno 1550 verkündete Graf Johann I von Nassau, Saarbrücken und Ottweiler den sogenannten “Freiheitsbrief”, in dem er die damalige Siedlung Ottweiler zur erhob und gleichzeitig die “Obersten Viere” ernannte, die er als richterliche und verwaltende Behörde einsetzte. Nun begab es sich, dass diese Obersten Viere ob der ehrbaren Ottweiler Bürgerschaft recht wenig zu “richten” und zu “verwalten” hatten, weshalb sie nach einem standesgemässen Zeitvertreib suchten und ein vorzügliches Kartenspiel erdachten. Jeweils drei von ihnen spielten Karten, während es dem vierten oblag, sich um die administrativen Belange zu sorgen. Jenem fiel zusätzlich die Aufgabe zu, die Spielkarten an die drei Spieler zu verteilen (eine Sitte, die auch heute noch gepflegt wird). Der Name des Spiels der Obersten Viere ist nicht bekannt, wohl aber der phonetisch überlieferte Wahlspruch, mit dem sie gemeinsam ihre Spielabende begannen:
Spielet Karten Aus Tradition”.

Als durch den Grafen Albrecht 1775 die Reformation in der Residenzstadt Ottweiler Einzug hielt, muss es mit dem Kartenspiel der Obersten Viere zu Ende gewesen sein, denn hier verlieren sich die Überlieferungen bis zum Jahre 1803, als das von Friedrich Joachim Stengel errichtete barocke Pavillon (welches dem Fürsten Wilhelm Heinrich ab 1753 als “Jagdschlösschen” gedient hatte) in Privatbesitz gelangte.

Just in diesem Pavillon, so wird berichtet,
fand im Jahre 1804 ein
S aarländischer Kutscher Aus Thüringen eine alte handschriftliche Aufzeichung, in der die Regeln eines Kartenspiels niedergeschrieben waren. Daneben lagen die vermoderten Reste eines Kartenspiels französischen Blattes, von dem nur das Blatt der Herz-Dame erhalten war. Als Signatur waren unter der Aufzeichnung lediglich noch die Buchstaben “Ober..” (die Obersten Viere?) und der Spruch ”Spielet Karten Aus Tradition” erkennbar.

Der Kutscher nahm beide Relikte in der Hoffnung an sich, sie auf einem der zahlreichen Märkte gegen etwas Nützliches eintauschen zu können. Doch niemand schien Interesse an der Aufzeichnung und dem Kartenbild zu haben, bis unser saarländischer Kutscher im Jahre 1813 seine Heimatstadt in Thüringen besuchte. Auf dem Markt zu Altenburg bot er Spielkarte und Schriftstück feil und fand einen Interessenten, der ihm dafür 2 Schweinsköpfe gab. In Altenburg zeugt der Altenburger Skatbrunnen mit seinen zwei Schweinsköpfen heute noch von jenem legendären Tauschhandel.

Der glückliche Besitzer der Spielkarte nahm sie mit zu seiner abendlichen Altenburger Tarock-Runde (Tarock war das beliebteste Kartenspiel jener Zeit). Die dortigen Spieler erkannten mit großer Weitsicht die Bedeutung der Herz-Dame  und der Aufzeichnungen und übertrugen das Spiel auf ihr deutsches Kartenbild, wobei sie der Karte, welche der Dame entspricht, den Namen “Ober” gaben.

Im Gedenken an den Wahlspruch der Obersten Viere
(
Spielet Karten Aus Tradition) und zu Ehren des
Saarländischen K utschers Aus Thüringen nannten sie das Spiel SKAT.

Bei seiner Rückkehr nach Ottweiler erzählte der Kutscher in einem Gasthaus (das in Ottweiler-Steinbach heute noch unter dem Namen “Kutschers Wirtschaft” bekannt ist) von seinem sonderbaren Handel. Fortan brachte der Kutscher aus Altenburg jährlich die Kunde über die Entwicklung des Spieles mit nach Ottweiler und das Skatspiel breitete sich im ganzen Lande aus. Die gegen 2 Schweinsköpfe “verramschte” Spielkarte gab einer besonderen Skatvariante ihren Namen. “Ramsch” wird im Saarland auch  heute noch gerne gespielt.  

Ob Sie sich bis zu dieser Zeit eher der Thüringischen Auffassung oder der Saarländischen Theorie anschliessen, sei Ihnen überlassen. Die spätere Geschichte des Skatspiels ist weitgehend einheitlich dokumentiert und verlief wie folgt:

Als sich im Laufe der folgenden Jahre (nach 1830) auch die Studenten der Universitäten Sachsens und Thüringens für das Spiel begeisterten, fand es in ganz Deutschland Verbreitung. Dadurch kam es aber auch zu zahlreichen regionalen Sonderregeln, Verfälschungen und regelrechten Abarten, bis die Altenburger Skatweisen im August 1886 den ersten Skatkongress abhielten, bei dem die von Karl Buhle geschriebene erste

                                                       Allgemeine Deutsche Skatordnung
angenommen wurde. Die Voraussetzungen für den Einheitsskat (ein später zu Unrecht negativ besetzter Begriff) waren geschaffen.

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Skatspiels war die Gründung des deutschen Skatverbandes auf dem 3. DeutschenZum DSkV Skatkongress in Halle (an der Saale) im Jahre 1899.

Nur 4 Jahre später wurde dem Skatspiel sogar ein wahrhaftiges Denkmal gesetzt:

 Der Skatbrunnen am Brühl zu Altenburg (Finanzier war Albert Steudemann aus Altenburg, der Entwurf stammt von Professor Ernst Pfeifer aus München) soll weltweit das einzige Denkmal sein, welches jemals einem Spiel gewidmet wurde. Vier aus Bronze gegossene Wenzel kämpfen auf einer Steinsäule, während sich das Wasser aus zwei Schweinsmäulern in die beiden halbrunden Brunnenbecken ergiesst.

Das Altenburger Skatgericht, die weltweit bekannte und anerkannteZum Skatgericht Justiz für Skat-Streitfälle, wurde auf dem 11. Skatkongress in Altenburg im Jahre 1927 geschaffen. Seine Funktion übernahm später das Deutsche Skatgericht und seit Dezember 2001 das Internationale Skatgericht mit Sitz in Altenburg.

Arthur Schubert verfasste im Auftrag des Deutschen Skatverbandes im Jahre 1903 eine  “Allgemeine Deutsche Skatordnung”. Auf dem 12. Skatkongress im Jahre 1928 wurde die von Richard Burkhardt verfasste “Neue Deutsche Skatordnung” angenommen.

Im Jahre 1935 wurde von dem Berliner Otto Seeger das gleichnamige Punktesystem eingeführt (für jedes gewonnene Spiel erhält der Alleinspieler zusätzlich 50 Punkte), welches später von Johannes Fabian zum Seeger-Fabian-System weiterentwickelt wurde (die Gegenspieler erhalten 30 bzw.  40 Punkte für jedes verlorene Spiel des Alleinspielers). Ziel dieser Punkterechnung ist das weitere Zurückdrängen der Faktoren Glück und Zufall zugunsten der Spielkunst: Das Skatspiel wurde noch “fairer” und damit sportlicher.

Seit 1999 gilt in Abstimmung zwischen dem DSkV und der ISPA (International Skat Players Association) weltweit die
                                                                     Internationale Skatordnung.

Beim Deutschen Skatkongreß 2002 in Papenburg wurde der Sitz des Deutschen Skatverbandes wieder nach Altenburg verlegt.